Berichte der Westfalenpost ! 
 
 
Meilensteine im Meister Schützenwesen 
 
Jubiläumsfest 2013
Der komplette Vorstand der Schützenbruderschaft St. Sebastian Meiste: Obere Reihe v.l. Fahnenoffizier 1. Kompanie Heiner Bünker, Fähnrich 1. Kompanie Franz-Josef Schmidt, Fähnrich 2. Kompanie Tobias Mertens, Fahnenoffizier 2. Kompanie Hendrik Müller; untere Reihe v.l.: Oberst Hermann Diemel, Adjutant Dominik Farke, Kassierer Dietmar Bause, Geschäftsführer Tobias Fernim, König Markus Weber, Präses Dieter Moors, 2. Vorsitzender Antonius Bödger, Fahnenoffizier 2. Kompanie Matthias Diemel, Hauptmann 2. Kompanie Christian Diemel, 1. Vorsitzender Arnold Langer.Foto: Foto Dusny  
 
Meiste. Einen außerordentlichen Grund zum Feiern hat die Schützenbruderschaft St. Sebastian. Sie blickt auf das 275. Jahr nach der verbrieften Vereinsgründung zurück und nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für ein großes Fest. Gefeiert wird es an diesem Wochenende, wobei vor allem am Sonntag das ganze Dorf im Zeichen dieses Anlasses steht. Dann werden in Meiste an die 1000 Schützen und Musiker aus dem gesamten Stadtgebiet Rüthen sowie aus der Nachbarschaft erwartet. So gibt es für diese nach dem Jubiläum in Altenrüthen vor zwei Wochen das zweite große Stelldichein. 
 
Blick in die Geschichte 
Zwar feiert die Schützenbruderschaft ihr 275-jähriges Bestehen, doch die verbrieften Anfänge des Schützenwesens reichen viel weiter zurück. „Als eines der ältesten Dörfer im Stadtbezirk Rüthen kann Meiste auch auf die wohl ältesten dokumentarisch festgehaltenen Schützen-Urkunden zurückgreifen“, heißt es in einer Chronik aus den 1970er Jahren nicht ohne Stolz. So sei in einem Kämmereibuch der Stadt Rüthen nachzulesen, dass der Magistrat der Stadt schon im Jahr 1525 den Mister Schützen – das „E“ kam erst viel später in den Ortsnamen – eine Geldzuwendung zu ihrem Fest zukommen lässt. Von 1584 ist ein urkundliches Schreiben an den Rat der Stadt Rüthen erhalten über die Entschädigung eines fälschlicherweise angeklagten Johann Scheffler zu Weine, der angeblich den Schützenvogel aus Meiste entwendet haben sollte. Eine besondere Rarität ist auch ein in Leder gebundenes Protokollbuch aus dem Gründungsjahr 1738, das sich bis heute in Vereinsbesitz befindet. 
Als Junggesellenverein mit 18 Mitgliedern ging es vor 275 Jahren los. Aber laut Chronik gab es zeitweise zwei Schützenvereine im Dorf und es wurden auch zwei Schützenfeste gefeiert – diese aber nicht im längst gebräuchlichen regelmäßigen Turnus. 1862 wurden dann die Feste vereinigt, um 1890 die Vereine. Auf jeden Fall kam es 1892 zu einer Neugliederung des damals aus 52 Mitglieder bestehenden Vereins, der seither aus zwei Kompanien besteht. 
Einen tiefen Einschnitt im Dorf- und Vereinswesen bedeutete der 2. Weltkrieg, der auch Opfer aus Meiste forderte. Als „Wiedergeburtsstunde“ der Schützenbruderschaft ist der 1. Februar 1948 vermerkt. „Da militärisch ausgerichtete Schützenvereine von der englischen Militärregierung verboten waren, wurde den sich neu gruppierenden Schützenvereinen vorgeschrieben, sich christlich ausgerichtete Statuten zu geben und einen Geistlichen zum Vereinspräses zu wählen“, heißt es in der zum 250-jährigen Bestehen verfassten Chronik. Dieser wurde Pfarrer Anton Schauerte, der auch die Versammlung zur Neugründung leitete. Vorsitzender wurde Josef Stallmeister-Tückenes. Darin wird auch daran erinnert, dass als erster König Wilhelm Hiegemann gewählt und sein Nachfolger Aloys Grotenhöfer durch das Abwerfen des Vogels mit Keulen ermittelt wurde, weil das Vogelschießen wegen des Waffenverbotes nicht erlaubt war. 
 
Hallenbau 
Ein Meilenstein in der Geschichte war der Bau der eigenen Schützenhalle 1925/26. Damit gab es einen festen Mittelpunkt für das Vereinsleben, der seither von Generationen gepflegt und immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepasst wurde. 1973 wurde sie grundlegend umgebaut und auch seitdem immer wieder auf den Stand der Zeit gebracht, was sich vor allem in ihrem Inneren spiegelt. Seit 1988 wird an der Halle auch der Vogel abgeschossen, so natürlich auch beim Kaiserschießen am Wochenende. 
 
Königinnentreffen 
Zur Einstimmung auf das Festwochenende gab es bereits ein Königinnen-Treffen. Die Organisatorinnen Irmgard Diemel, Thea Herting, Bärbel Kellerhoff, Cornelia Langer und Hildegard Schlüter konnten dazu 34 ihrer „Kolleginnen“ begrüßen. Darunter war auch die dienstälteste Königin Maria Schirk, die vor 61 Jahren regierte. Bei einem eigenen Vogelschießen wurde Sabine Schmidt, 1989/90 Königin, jetzt zur „Königin der Königinnen“. Vorsitzender Arno Langer versprach allen Königinnen einen handgefertigten Orden, der ihnen beim Jubelfest überreicht wird. 
 
Armin Obalski 
 
 
Kaiserschießen 
 
In Meiste geht für Leo Schulte ein Traum in Erfüllung 
 
Kaiserschießen anlässlich des Jubiläumsfestes 275 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft MeisteFoto: Georg Giannakis  
 
Meiste. Es scheint so, als habe er als passionierter Jäger nicht nur in freier Natur den richtigen Jagdinstinkt, sondern auch unter der Vogelstange. Mit dem 268. Schuss erlegte Leo Schulte den Aar beim Kaiserschießen anlässlich des Jubiläumsfestes 275 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft Meiste.  
Fast zwei Stunden feuerte die Schar aller ehemaligen Regenten die Königspatronen auf den in luftiger Höhe befestigten Holzvogel ab.  
Doch nicht nur die knallende Sonne trieb den in ihrer Sicht vorerst eingeschränkten Aspiranten die Schweißperlen ins Gesicht. Als ungemein zäh erwies sich das zu erlegende Objekt, so dass sich die der stolzen Kaiserwürde Anzunehmenden lange in Geduld üben mussten. Ein mittlerweile aufgestellter großer Schirm samt Stehtisch verbesserte zwar die Sicht auf das Ziel, konnte aber nicht für eine rasche Entscheidung sorgen. Mühsam arbeiteten sich die Kandidaten über Krone (errungen durch Martin Hustermeier) , Apfel (Franz-Josef Schmidt) und Zepter (Ferdinand Herting) und den beiden Flügeln bis an den Corpus vor.  
Der in der neunten Runde noch mit knapp 20 Mann übrig gebliebene „harte Kern“ der letztlich auch ernsthaft willigen Würdenträger, arbeitete sich nun durch das robuste Vogel-Mittelstück.  
Oberst Hermann Diemel, Vorsitzender Arnold Langer und weitere Mitglieder des Meister Schützen-Vorstandes versuchten ebenso das letzte, quasi nur noch am seidenen Faden hängende Reststückchen zu Fall zu bringen, als plötzlich Schießmeister Leo Schulte zur Tat schritt und seinem „Funktions-Namen“ alle Ehre machte. Mit dem 268. Schuss zerfetzte er den winzigen Rest des sich hartnäckig haltenden Aars. 
 
 
Auf Schultern getragen und mit lauten Jubelrufen begleitet, ließen die Schützen ihren neuen Kaiser hochleben. Zu Tränen gerührt nahm der 67-Jährige neue Würdenträger die zahlreichen Glückwünsche entgegen. „Jawoll! Ein Traum ist wahr geworden. Ich kann es einfach nicht glauben“, hallte es aus ihm freudestrahlend heraus. Der in den Reihen der Meister St. Sebastianus Schützenbrüderschaft mit zum „alten Eisen“ zählende Schütze, errang bereits in den Jahren 1968/69 und 1992/93 die Königswürde.
Sein langersehnter Wunsch, irgendwann auch einmal Kaiser zu sein, ging nun endlich in Erfüllung. Leo Schulte ist damit stolzer Nachfolger von Heinz Bracht, der vor 15 Jahren im Rahmen des 250. Vereinsjubiläums den Titel trug. Leo regiert mit seiner Frau Elisabeth. 
Georg Giannakis