Vorbericht & Königinnentreffen 
 
 
Von Königinnen, Karussells und Keulen ! 
 
Vorbericht
Vogelschießen 1948: Bei den ersten Schützenfesten nach dem zweiten Weltkrieg durfte nicht scharf geschossen werden. Die Schützen warfen Keulen, um den Vogel von der Stange zu holen. 
 
Meiste - Mit 18 Schützen ging es im Jahr 1738 los, heute zählen 220 Männer zu der St. Sebastian-Schützenbruderschaft in Meiste. Das 275-jährige Jubiläum soll daher groß gefeiert werden: Diese Woche Samstag und Sonntag, 24. und 25. August, gibt es ein buntes Festprogramm. Die Vorstandsmitglieder geben unserer Zeitung vorab einen Einblick in ihre Vereinsgeschichte. 
 
Am 3. Mai 1738 gründete sich die Schützenbruderschaft. Das Gründungsprotokoll wurde jetzt frisch transkribiert und ist in der Neuauflage der Chronik des Vereins zu finden, die es ab dem Festwochenende zu kaufen gibt. Im Jahr 1862 schlossen sich die Schützen und Einwohner dann zusammen, um ein gemeinsames, größeres Fest zu feiern. 
154 Jahre nach der Gründung, im Jahr 1892, zählten bereits 52 Männer zum Verein, so dass zwei Kompanien entstanden. 1926 gab es auch endlich eine eigene Schützenhalle, in der die Meister feiern konnten. 
 
Kein Fest in den Kriegswirren 
 
1939, ein Jahr nach dem 200. Jubelfest, fand das letzte Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg statt. Heinrich Ebers und seine Frau Wilhelmine waren das letzte Königspaar vor den Kriegswirren, denen der Meister zum Opfer fiel. Nach dem Krieg fiel das Schützenfest zunächst aus. Erst 1948 ging das bunte Treiben wieder los. Statt mit Munition wurde mit Keulen auf den Aar gezielt, aber wer sollte den gefallenen König vertreten? Die St. Sebastian Bruderschaft entschied sich für seine Tochter Wilhelmine Ebers. Diese war damit erste und einzige Königin bis heute, die sich ihren Schützenkönig aussuchen durfte. Zusammen mit Wilhelm Hiegemann übergab sie das Amt an den Nachfolger Alois Grotenhöfer und dessen Frau Elisabeth. Bei diesem Fest gab es übrigens nur Selbstgebrannten, da die Brennrechte nach dem Krieg beschränkt waren. „Dementsprechend waren Spirituosen begrenzt“, schmunzelt Festredner Fritz Farke, „und man musste zur Selbsthilfe greifen“. 
 
Dem Vorsitzenden Arnold Langer fällt eine Anekdote der Fünfziger Jahre ein. „Einer der Schützen wollte und sollte auch König werden“, so Langer, „aber man musste ihm helfen, weil er nicht traf.“ Ein Musiker habe daher immer gleichzeitig mit dem Schützenbruder auf den Vogel gezielt, bis dieser endlich von der Stange fiel. „Wenn man heute den Satz „Ick häwe’ne noch inne!“ hört, weiß jeder Meister, worum es geht“. Der spätere Schützenkönig habe beim finalen Schuss gar nicht mitgezielt... 
 
Was sich ebenfalls von Schützengeneration zu Schützengeneration herumspricht, ist die Geschichte vom Karussell. „1954 spendierten das Königspaar Theodor und Maria Piepenbrock Freifahrten im Karussell“, erzählt Arnold Langer. „Unter dieser Dauerbelastung brach es schließlich zusammen, so sagt es die Recherche.“ Trotzdem gab es in den Jahren darauf weiterhin Kinderbelustigung. 
 
Der Umbau der Schützenhalle erfolgte 1973. Alle Meister waren angehalten mitzuhelfen oder Bausteine zu sponsern. „Dafür gingen die Schützen damals sogar noch von Haus zu Haus“, weiß Geschäftsführer Tobias Fernim. Und auch in den Jahren danach wurde die Schützenhalle immer wieder umgebaut oder erhielt Anbauten. 
 
Ein besonderer Höhepunkt fand im Jahr 2000 statt. Die St. Sebastian Schützenbruderschaft erhielt den Zuschlag für das 19. Kreisschützenfest. 10 000 Besucher, 5600 Schützen, 67 Könige und Königinnen mit mehr als 900 Hofdamen von insgesamt 70 Schützenvereinen galt es unterzubringen. Dafür war selbst die schönste Schützenhalle zu klein. Wie es das Schicksal wollte, wurden genau rechtzeitig die Produktionshallen der Meister Werke fertiggestellt, die der Inhaber und zweite Vorsitzende des Vereins, Johannes Schulte, zur Verfügung stellte. Das Schießen um die Kreiskönigsehre wurde wegen starken Regenfalls vom Sportplatz an die Festhalle verlegt, die Vogelstange war mobil. So schossen alle Könige durch ein Vier-mal-vier-Meter-Tor auf den Vogel, das Publikum schaute von innen zu. Franz Westermann aus Langeneicke erzielte damals den Glückstreffer und wurde Kreiskönig.  
 
Holen die neue Jubiläums-Vereinschronik der St. Sebastian Schützenbruderschaft Meiste aus der Druckerei ab: Arnold Langer, Hans-Theo Kellerhoff, Hermann Diemel (unten v.l.) , Franz-Josef Kemmerling, Dietmar Bause und Günther Kemmerling (oben v.l.).  
 
Die erste Schützenkönigin 1948 nach dem Krieg: Die junge Wilhelmine Ebers trat das Amt ihres gefallenen Vaters Heinrich Ebers an und wählte Wilhelm Hiegemann zu ihrem König.  
 
Das Karussell, das 1954 zum Einsatz kam, brach unter der Dauerbelastung der gratis fahrenden Kinder zusammen. 
 
 
 
39 ehemalige Meister Schützenköniginnen  
 
39 ehemalige Meister Schützenköniginnen
39 ehemalige Meister Schützenköniginnen stellten sich zum Gruppenbild, bevor das Damen-Vogelschießen begann. Foto: Brandschwede 
 
Eine Woche vor der Jubiläumsfeier der St. Sebastian-Schützenbruderschaft aus Anlass des 275-jährigen Bestehens trafen sich 39 ehemalige Königinnen in der Schützenhalle, um sich mit einem unterhaltsamen Nachmittag auf das Fest einzustimmen. Es gab sogar ein Vogelschießen nur für Frauen. Irmgard Diemel, Thea Herting, Bärbel Kellerhoff, Cornelia Langer und Hildegard Schlüter hatten bei einem Konzert auf der Rüthener Kirmes den Einfall, dieses Event ins Leben zu rufen. Sie freuten sich über die große Resonanz zum „Tag der Königinnen“. Irmgard Diemel hieß besonders Maria Schirk willkommen, die vor 61 Jahren, 1952, regierte und eigens aus Recklinghausen anreiste. Klar, dass auch die amtierende Kaiserin Margret Bracht und die 25-jährige Jubelkaiserin Josefa Bödger mit dazu gehörten. „Unser Königinnenjahr ist eine schöne Erinnerung und wird uns das Leben lang begleiten, wir wollen heute die Ereignisse aufleben lassen und uns noch einmal an die Königsjahre erinnern“, freute sich Irmgard Diemel in ihren Grußworten und lud zunächst zu Kaffee und Kuchen ein.  
 
Vorsitzender Arno Langer richtete im Namen des Vorstandes einige Grußworte an die ehemaligen Majestäten. „Wir bewirten euch gerne an eurem Nachmittag“, betonte er und gratulierte zur gelungenen Idee. „Alle ehemaligen Königinnen erhalten am Jubelfest einen handgefertigten Königsorden“, überraschte Langer die Ex-Majestäten. Frau Jäschke als Gast zu haben, bedeutet immer ein Strapazieren der Lachmus-keln. Dies gelang wieder einmal Beate Kaps in ihrer Paraderolle – zur Überra-schung an diesem Nachmittag eingeladen. Mit Märschen, Polkas und Walzern brachte die Kapelle Kneblinghausen die entsprechende Stimmung und begleiteten die Königinnen zur Vogelstange. Hier bewiesen diese, dass auch sie mit einem Gewehr umgehen können. Der Siegtreffer gelang Sabine Schmidt, 1989/90 Regentin, die sich nun Königin der Königinnen nennen darf. In gemütlicher Runde tauschten die Damen noch viele alte Erinnerungen aus. n BB